Folge 12: Jungenprojekte. Interview mit Walid Aitoutalamte
Shownotes
Links zur Folge:
- Website talentCAMPus: www.talentcampus.de
- E-Mail: talentcampus@dvv-vhs.de
- Podcast “Kultur unbedingt!”: www.talentcampus.de/podcast-kultur-unbedingt
- Folge 11: Diversität an Volkshochschulen https://kultur-unbedingt-podcast.podigee.io/12-folge-11-diversitaet-in-vhs
- Bildungsinstitut Wissen am Stern in Kassel www.wissenamstern.de
- talentCAMPus an der vhs Kassel vhs-region-kassel.de/talentcampus
- Buch: "Im Morgen wächst ein Birnbaum" von Fikri Anıl Altıntaş [www.penguin.de/buecher/fikri-anıl-altıntaş-im-morgen-waechst-ein-birnbaum](https://www.penguin.de/buecher/fikri-anıl-altıntaş-im-morgen-waechst-ein-birnbaum/taschenbuch/9783442775590]
- Ausschreibung in der Politischen Jugendbildung beim DVV zu Männlichkeitsbildern im Netz https://www.volkshochschule.de/medien/downloads/unsere-projekte/politische-jugendbildung/materialpool-foerderung/sp-ausschreibungen/sp-ausschreibungen-fuer-2027/KJP_Ausschreibung-zum-Schwerpunktthema_Maennlichkeitsbilder-im-Netz.pdf
Transkript anzeigen
00:00:00: Sie hören Kultur
00:00:02: Unbedingt, ein Podcast des Deutschen Volkshochschulverbands.
00:00:10: Hallo!
00:00:10: Herzlich Willkommen zu Kultur Unbedingt den Podcasts des Projekts Talent Campus Heute.
00:00:17: in der Folge geht es um kulturelle Bildungsangebote in der jungen Arbeit und dafür haben wir uns auch einen Gast eingeladen und zwar Relyt Aldut Alamte.
00:00:26: aus Kassel sag ich herzlich willkommen Relyat.
00:00:29: Ja vielen Dank.
00:00:30: Ich freue mich sehr heute dabei zu sein.
00:00:34: Ja, ich freue mich auch.
00:00:35: Walid ist Lehrer und Projektleiter bei Wissen am Stern – einem Bildungsinstitut für gesellschaftliche Teilhabe junger sozial benachteiligter Menschen.
00:00:45: Und Wissen Am Stern isst auch zusammen mit der Volkshochschule Kasse im Talentcampus aktiv.
00:00:52: Und ja genau da hast du Walid letztes Jahr mal ein Talentcampusprojekt mit durchgeführt in dem nur jungen teilgenommen haben richtig?
00:01:00: Genau, richtig!
00:01:02: Da werden wir uns gleich noch ein bisschen genauer drüber unterhalten, aber erstmal würde ich gerne etwas zu der Situation sagen in der jungen und junge Männer heutzutage in Deutschland in unserer Gesellschaft aufwachsen.
00:01:16: Jungen und jungen Männer wachsen heutzuthage mit ziemlich widersprüchlichen Männlichkeitsbildern auf.
00:01:23: Auf der einen Seite wird an sie noch so eine traditionelle Erwartung gestellt dass sie eben die Hegemoniale, also die dominante Männlichkeit verkörpern.
00:01:32: Dass sie alles im Griff haben, Risiko bereit sind und auf der anderen Seite wird aber auch inzwischen die progressivere Erwartung an Sie gestellt dass sie Gefühle zeigen sollen das sie sich am Familienleben beteiligen und vielleicht auch patriarchale Privilegien aufgeben.
00:01:50: Und diese Widersprüchlichkeit sorgt bei vielen Jungen für Druck wenn sie sozial benachteiligt sind und von Kassismus betroffen sind.
00:02:01: Also mal als Beispiel, wenn Geld für Status-Symbole Markenkleidung oder die sogenannten Lux-Mexing-Praktiken fehlt da können wir vielleicht gleich nochmal darauf zu sprechen kommen.
00:02:13: Und was auch ein wichtiger Faktor ist Wenn vorbilder also männliche Vorbilder fehlen beispielsweise wenn es keinen Vater in der Familie gibt und wenn die jungen Männer versuchen sich zu orientieren und eine Identität auszubregen.
00:02:29: Und da Menschen fehlen, die ihnen das spiegeln, dass sie gut so sind wie sie sind, dann ist das nicht so gut für ihre Entwicklung.
00:02:37: Wenn ihnen Anerkennung fehlt und auch ein Zugehörigkeitsgefühl fehlt, dann entsteht oft Einsamkeit und Frustrationen.
00:02:45: Auf der Suche nach Orientierung kommen Ihnen gerade im Internet häufig einfache Antworten über den Weg.
00:02:55: Das heißt viele Jungs folgen in Social Media Kanälen irgendwelchen Influencern, die einen Männlichkeitsbild und auch ein Weiblichkeidsbild zeichnen das von Antifeminismus, von Antisemitismus.
00:03:08: Und auch von Homophobie geprägt ist.
00:03:11: Well it!
00:03:11: Jetzt habe ich eine Weile gesprochen.
00:03:14: Kommt ihr das bekannt vor?
00:03:15: Würdest du das so unterschreiben was ich gerade gesagt hab?
00:03:19: Ja... kommt mir definitiv bekannt vor.
00:03:23: Ich würde das auch so erstmal unterschreiben und zumindest versuchen durch meine Erfahrungen zu ergänzen, ich glaube gerade für migrantische Jugendliche ist es besonders schwierig irgendwie auch in Deutschland aufzuwachsen und selbst herauszufinden was für ein Mann oder was für einen junger Mann möchte ich sein, wie will ich sein?
00:03:47: Du hast vorhin angesprochen.
00:03:49: Will ich jemanden sein der quasi Verantwortung übernimmt und Respekt bekommt von PS oder von Freunden und Bekannten?
00:04:00: Oder möchte ich jemandem sein, der einfühlsam, respektvoll und empathisch ist?
00:04:05: Und ich meine gerade für junge Menschen ist das oft auch ein Widerspruch.
00:04:10: also entweder bin ich das eine oder das andere.
00:04:14: Und was wir auch versucht haben mit diesem Talent Campus Projekt ist das quasi aufzubrechen und den Jugendlichen zu zeigen, dass es eben nicht so sein muss.
00:04:26: Ja du hast jetzt auch gerade eigentlich ja den Punkt Intersektionalität angesprochen.
00:04:30: also wenn dann noch Betroffenheit von Rassismus hinzukommt oder ein zwischen den Kulturen leben, dann wird das Ganze auf jeden Fall nochmal komplizierter.
00:04:39: Das stimmt!
00:04:40: Ja voll, also ich sehe das ja auch immer wieder auf dem Schulhof.
00:04:45: Da sieht man schon gerade in dem Alter der Pubertät, dass es darauf ankommt wer ist stark?
00:04:52: Wer ist mutig?
00:04:53: Wer bekommt besonders viel Respekt?
00:04:55: Wer bekommen wenig Respekt?
00:04:58: und das sehen Jugendliche, das sehen junge Männer Und sie merken das auch.
00:05:04: Also das ist etwas worauf Sie... Ich erlebe das oft für einige Dinge so gut wie keine Wahrnehmung haben, aber dafür haben sie eine Wahrnehnung.
00:05:14: Sie wissen ganz genau wer auf dem Schulhof quasi das Sagen hat einfach gesagt und wer besonders viel Respekt bekommt.
00:05:22: Und ich komme heute tatsächlich von einem Coaching vom Workshop an der Schule wo wir genau darüber gesprochen haben also über Respekt und was mir dann auffällt.
00:05:34: Wir haben dann quasi so ein Soziometrie Übung gemacht und die Jugendlichen sollten sich aufstellen.
00:05:42: Und es ging darum, während dieser Klasse etwas zu sagen hat.
00:05:44: Und dann fällt schnell auf okay...und das hat mich überrascht!
00:05:49: Die Jugendlichen konnten sich ohne zu reden.
00:05:51: Das war die Challenge aufstellen in einer Reihe und sagen, wer hat in dieser Klasse etwas zu sagen?
00:05:59: Und wer hat eben nichts zu sagen.
00:06:01: Ich fand das erst mal krass zu sehen dass sie sich so schnell auch aufstellen konnten und damit irgendwie keiner... also niemand hatte damit ein Problem sich so aufzustellen.
00:06:10: und wir haben dann die Frage gestellt seid ihr zufrieden damit wie ihr gerade steht?
00:06:16: um?
00:06:16: was mich dann sehr überrascht hat ehrlich gesagt war Durchweg ohne Ausnahme alle Jugendlichen, da waren jetzt in diesem Fall auch Mädchen dabei dass sie alle durchweg gesagt haben das sie zufrieden damit sind mit dieser Situation und das war definitiv etwas was mich überrascht hat.
00:06:34: Aber was mir auch persönlich gezeigt hat dass gerade junge Menschen ein Bewusstsein dafür haben Und ja du hast es angesprochen ausgrenzung und Rassismus führt dazu dass man Ja, das ist schwieriger ein Selbstbild zu finden und herauszufinden.
00:06:52: was möchte ich für einen junger Mann werden.
00:06:55: Was möchte ich wie ein junger Jugendlicher sein?
00:06:58: Und ja... Ich habe Fikri Anil Altintasch kennengelernt bei uns hier im Stadtteil Waldau in Kassel und er ist ein Autor der das Buch geschrieben hat.
00:07:10: Im Morgen wächst ein Birnbaum und da hat er genau darüber gesprochen, gerade was das für junge migrantische Männer heißt quasi dieses Männlichkeitsbild.
00:07:21: Das eigene Männlichkeit zu finden, gerade wenn man von Ausgrenzung und Rassismus betroffen ist.
00:07:28: Ich meine politisch haben wir das alle gehört.
00:07:31: es wird dann von jungen Pashas gesprochen Und das macht natürlich etwas Wenn junge Menschen so einen Begriff hören und sich denken okay wenn man Und sowieso so zuschreibt und meint, wir sind Pashas.
00:07:46: Wir sind keine Ahnung kleine Gangster.
00:07:49: Dann gibt es Jugendliche die genau auf diesen Zug aufspringen... ...und draußen auch zeigen wollen dass sie stark sind um Stärke beweisen können.
00:07:59: Das führt dann leider oft dazu das quasi ihre Überlebensstrategie wird wie sie außen in der Welt zurecht kommen sich nicht kritisch auseinandersetzen mit dem eigenen Männlichkeitsbild.
00:08:16: Danke schön, danke auch für den Lesetip!
00:08:18: Den können wir ja mal nachher in unseren Shownotes verlinken.
00:08:23: Wie ist das denn mit den Jungs die du kennst?
00:08:25: Folgen sie dann auch solchen Influencern, die sich mit Männlichkeitsidealen auseinander setzen?
00:08:31: Kennst du diesen Begriff Lux-Maxing oder Pickupartist und was da noch alles dahinter steckt?
00:08:37: wie gehen die damit um?
00:08:40: Also keine Beidegriffe, die du genannt hast.
00:08:43: Ich kann nicht sagen ob sie den einzelnen Influencer oder das jetzt der bekannte Lux-Maxer ist... ...oder ob das andere Influenzer im ähnlichen thematischen Feld befinden.
00:08:56: Ob Sie ihn wirklich folgen?
00:08:58: Das kann ich jetzt nicht sagen.
00:08:59: aber was ich sagen kann ist dass sie diese Person definitiv kennen und ihren Namen erwähnen und deren Content quasi auch schauen.
00:09:08: Und ich finde das gerade für junge Menschen in dem Alter so schwierig, wenn man dabei ist sich selbst zu finden.
00:09:15: Sich der eigene Körper verändert und dann sieht man online ständig Videos zur Lux-Maxing und was man nicht alles machen kann.
00:09:24: also da gibt es ja Jugendliche die sich gegen die eigenen Wangenknochen boxen um quasi schöner oder ästhetischer zu werden
00:09:35: Damit die Kiefer markanter aussehen, damit das Gesicht männlicher aussieht.
00:09:40: Und man sieht auch ... Das finde ich besonders erschreckend quasi Kinder in der fünften Klasse, die dann diese Bewegung an der Wange machen um deutlich zu machen dass sie einfach einen markanten Kieffer haben und so weiter.
00:09:55: Ich finde gerade neben Alter ist es so kritisch weil das macht natürlich was mit dem Selbstbewusstsein dieser jungen Menschen selbst glauben, dass ihr aussehen oder dass sie selbst nicht genug sind und dändig auf der Suche danach sind Look zu maxen.
00:10:13: Das war jetzt Englisch.
00:10:18: Ja und dabei in den Hintergrundgerät das andere Dinge wesentlich wichtiger sind.
00:10:26: also wir alle streben glaube ich danach irgendwie keine Ahnung, uns einzukremen oder kleine Sachen zu machen.
00:10:33: Aber Lux-Maxing für die, die es nicht kennen ist... das ist was ganz anderes.
00:10:38: und gerade deswegen finde ich es so kritisch für junge Menschen weil es quasi dem Fokus darauf legt wie man aussieht und nicht was für Werte man hat oder was für werte man vertritt und was für ein Mensch man sein möchte.
00:10:54: Und grade in einer Phase wo man Ja, sich selbst finden möchte oder in dem Fall unserer Teilnehmenden.
00:11:01: Sein eigenes Männlichkeitsbild quasi finden möchte ist das glaube ich besonders kritisch wenn junge Menschen das nicht lernen sondern nur solche Videos schauen und eben sowas lernen.
00:11:13: ja es geht eben nicht mehr nur um Körperpflege oder so sondern teilweise absurde.
00:11:18: hast du auch ein Beispiel genannt?
00:11:20: absurden praktiken und ich hätte mir eigentlich eher gewünscht dass der Schönheitswahn bei den Mädchen eher runter geht, als dass die Jungs sich da angleichen.
00:11:29: Ja keine schöne Entwicklung.
00:11:30: und wie ist das mit dem Thema Beziehung und Mädchen oder Frauenbild?
00:11:36: Ist es auch etwas was von den Influencern diesen Alphamännern irgendwie rüberkommt.
00:11:41: worüber die Jungen sich austauschen mit dir oder untereinander?
00:11:45: Ja da muss ich sagen mit mir persönlich.
00:11:48: eher weniger aber dazu sagen kann, ist zum Thema Lux-Maxing nochmal.
00:11:54: Dass das ja nicht nur die Influencer sind, die sie dann online schauen sondern dass das ja auch Themen sind über die sie untereinander sprechen.
00:12:04: und es gibt diesen Lux-Maxer der quasi das Aussehen von jungen Menschen online per Livestream bewertet und sagt okay du bist jetzt eine sechst von zehn weil deine Nase zu weit oberhalb von deinem Mund ist und so weiter, also als Beispiel.
00:12:21: Und das nehmen dann junge Menschen mit und sie gehen dann nach Hause oder treffen sich mit Freunden und geben quasi dieselben Inhalte an ihre Freunde und an ihre Mitmenschen wieder.
00:12:33: Das finde ich besonders kritisch.
00:12:35: Also es sind nicht nur die Influencer sondern dass diese Influenzer tatsächlich Influenz sind und diese Inhalten dann reproduziert werden.
00:12:44: Also man muss noch nicht mal sich die Sachen angucken, um davon beeinflusst zu werden.
00:12:49: Ja
00:12:51: und zum Frauenbild.
00:12:52: das ist natürlich gerade in dem Alter ein schwieriges Thema weil viele junge Menschen gerade das Gefühl haben dass sie vergleichen mit den Mädchen oder wenn es darum geht in der Grundschule ist noch Jungs gegen Mädchen und dann in der Gesamtschule sieht schon etwas anderes aus.
00:13:11: Aber dass gerade Jungs das Gefühl haben, dass Mädchen besser behandelt werden als Jungs und das Mädchen ist einfacher haben weil sie natürlich ihre Lebenswelt haben in der Schule was sie besonders wahrnehmen Tatsächlich bekannt, dass es Mädchen prinzipiell oder allgemein einfacher haben als Jungs dadurch wie sie sich verhalten und das ist jungs ja tendenziell vielleicht schwieriger haben in der Schule.
00:13:41: Und daher kommt das, dass mir das immer wieder begegnet, dass Jungs sagen die Mädchen werden von den Lehrern besser behandelt, fairer behandelt und wir kriegen immer nur den Anschiss.
00:13:53: Und was ich dann interessant finde, und das war tatsächlich auch vor kurzem eine Diskussion.
00:13:59: Da ging es genau darum dass einige Schüler gemäckert haben, dass ja Lehrer und Lehrerin die Jungs immer unfair behandeln würden und die Mädchen bekommen immer die besten Noten und alle Lehrer und Lehrerinnen sind sehr freundlich und sehr nett zu leben.
00:14:18: Daraufhin hat eine Schülerin dann einfach gesagt Klartext gesprochen und gesagt das kann vielleicht sein, dass wir hier in der Schule vielleicht ein bisschen besser behandelt werden.
00:14:32: Weil wir zuhören und still sitzen und nicht so viel Stress machen an der Schule.
00:14:38: aber draußen in der Welt hat sie gesagt sieht es ganz anders aus.
00:14:43: da werden Mädchen und Frauen immer schlechter behandelt und sind immer Opfer von Gewalt, gerade von Männern.
00:14:50: Und das hat eine Sechs-Klässlere gesagt!
00:14:52: Das fand ich besonders krass und überraschend... ...und die Jungs haben vehement dagegen argumentiert und waren außer sich.
00:15:02: Die waren quasi geschockt und haben gesagt, nein, das kann nicht sein.
00:15:05: Sie wussten das gar nicht?
00:15:07: Ich weiß nicht ob sie das nicht wussten, sie wollten es jedenfalls nicht annehmen.
00:15:14: Das zeigt mir persönlich, dass man da noch viel Arbeit zu tun hat.
00:15:19: Gerade was das Frauenbild angeht bei Jungs... Also ich kann mir vorstellen, dass in dem Alter sich natürlich weiterentwickelt und gerade auch Jungs das lernen.
00:15:30: aber es ist einfach ein Ereignis gewesen, das jetzt vor Kurzem war und das ich jetzt noch im Kopf habe Und das hat mir persönlich gezeigt, dass das Frauenbild dieser Jungs jetzt in dem Fall nicht ganz der Realität entspricht.
00:15:42: Was du gerade erzählst, ist auch nicht dass die Mädchen und Frauen abgewertet haben sondern eben nur sagen deren Verhalten wird belohnt in der Schule.
00:15:50: Und unseres wird bestraft.
00:15:51: also ist ja auch so.
00:15:53: Also warum das?
00:15:54: So ist es nochmal eine interessante Frage.
00:15:56: aber so wie ich dich verstanden habe haben die da jetzt eigentlich nicht sexistische Dinge von sich gegeben in diesem Kontext jedenfalls.
00:16:03: Also was mich überrascht hat, war dass sie kein Verständnis dafür hatten wie es Frauen in der Wirklichkeit quasi geht und was Frauen ertragen müssen für Gewalt in dieser gesellschaftlichen
00:16:14: Tour.
00:16:14: Ja,
00:16:15: wenn die
00:16:15: sechste Klasse sind...
00:16:17: Genau!
00:16:18: Und die Schülerin hat gute Beispiele genannt.
00:16:20: also das war jetzt nicht so, dass das nicht verständlich war aber ist glaube ich so aus der eigenen Ungerechtigkeitserfahrung dass man sagt ne wir werden hier schlecht behandeln die dazu führt, dass man eben nicht akzeptieren kann wenn eine Mitschülere sagt nein Frauen werden aber allgemein schlechter.
00:16:38: Ja dabei kann beides parallel zueinander wahr sein ne?
00:16:42: Also das ist auch ein ganz wertvolles Gespräch glaube ich gewesen was da gelaufen ist und das ist einfach wieder auch ein Zeichen dafür wie wertvoll solche Räume sind in denen gemeinsam solche Themen reflektiert werden können.
00:16:54: Ich wollte dich auch fragen, wie die Lebenswelt der Jungs aussieht.
00:16:58: Die du so kennst vom Schulhof oder von Wissen am Stern hast jetzt schon ein bisschen dargestellt.
00:17:04: Womit beschäftigen sich die Jungs?
00:17:06: So die Jugendlichen was womit verbringen sie ihre Zeit?
00:17:10: Ja also ich habe mein Leben lang Fußball gespielt und deswegen bin ich immer noch sehr Fußball auf ihn Und ich kenne daher vor allem Fußballer.
00:17:24: Und ja, was mir dann auffällt beziehungsweise womit?
00:17:29: ich könnte jetzt darauf antworten womit die sich eher weniger beschäftigen.
00:17:33: Ja
00:17:34: und das ist das haben wir auch im Rahmen eines Projekts herausgefunden dass einer der Teilnehmenden ein Junge Migrantischer Junge aus einer sozial schwachen Familie uns mitgeteilt hat in einer Gruppe, dass er nicht weiß wie man ein Rührei kocht.
00:17:57: Dass das Thema Kochen überhaupt für ihn irgendwie ganz fremd ist weil er das irgendwie nie machen musste und das auch nicht kann.
00:18:06: Und dann habe ich ihn ganz überrascht gefragt okay was machst du denn wenn du mal alleine zu Hause bist?
00:18:11: Dein Eltern sind nicht da Du hast Hunger Kannst dir kein Rührei kochen?
00:18:16: und er meinte nee.
00:18:17: und daraus ist so ein bisschen Unser Talent Campus Projekt entstanden, weil wir dann gesagt haben okay.
00:18:25: Dann lernen wir das einfach zusammen.
00:18:27: und ich war sehr überrascht darüber dass ein Thema war womit sich die meisten Jugendlichen dort nie gar nicht beschäftigt haben.
00:18:35: also für die meisten spielt ja Fußball eine Rolle was quasi online sehr viel läuft.
00:18:42: Also wenn man junge Menschen heutzutage fragt Das haben wir heute auch gemacht Nach ihrer Bildschirmzeit, da wurde uns geantwortet.
00:18:51: Das ist jetzt natürlich nicht repräsentativ aber im Schnitt haben die Schüler in dieser Klasse geantwortete dass sie mindestens durchschnittlich vier Stunden am Tag am Handy verbringen und würde sagen man kommt nicht drum herum zu sagen okay Jugendliche beschäftigen sich.
00:19:08: oder junge Männer beschäftigen sehr viel mit dieser Online-Welt mit TikTok und Instagram und das ist ja allgemein bekannt.
00:19:16: Ich würde fast sagen, es ist schwierig zu sagen womit sie sich noch beschäftigen.
00:19:21: Aber zurück zum Kochen... Das war dann vor allem cool zu sehen dass sich die Jugendlichen auch so darauf eingelassen haben.
00:19:31: das habe ich in der Form nicht erwartet.
00:19:33: also es gab dann einige die hatten schon ein bisschen mehr Erfahrung.
00:19:35: was war nicht so dass alle nichts kochen konnten sondern Einige haben dann auch lokale Gerichte aus ihren Heimatländern irgendwie vorgestellt und gesagt, nee das kann ich richtig gut.
00:19:47: Das habe ich mit meinen Eltern gelernt.
00:19:49: Und ja es war einfach cool zu sehen dass wenn man diesen Raum gibt und sagt hey ist okay dass du Dinge nicht kannst darum geht's glaube ich auch immer so.
00:19:59: selbstbewusst sein spielte auch immer eine Rolle.
00:20:02: Und wenn man so in seinem Alltag gar nicht die Möglichkeit hat, ob jetzt in der Schule oder in der Freizeit zu zeigen dass man ein selbstbewusster junger Mensch ist dann wird es auch schwierig für die eigene Entwicklung und für das eigene Männlichkeitsbild war es umso cooler das dann zu sehen Männer dann auch quasi gesagt haben, ja ich kann das und das kochen.
00:20:28: Und dass Selbstbewusstsein so vorgetragen hat und sagt nein glaub mir wenn ich das mache wird dir richtig gefallen.
00:20:34: Ich glaube das ist das was es am meisten braucht eben diese Räume wo junge Menschen ihr Selbstbewusstein entwickeln können sich selbst entfalten können und dazu braucht es Menschen die nicht nur an sie glauben sondern Die ihn auch Vertrauen schenken, die ihn vertrauenschenken suchen und quasi auch ein Lebensweltbezug haben.
00:21:01: Als besonders erfolgreich war an unserem Talent Campus Projekt war das die Kursleitung und auch die Ehrenamtlichen... aus ähnlichen Welten kommen.
00:21:11: Also ich selber bin auch in Waldau groß geworden, ich komme aus Kassel, bin hier geboren und wir haben ein Projekt gemacht in dem Stadtteil wo ich selber aufgewachsen bin, wo ich die Geschwister von Teilnehmenden kenne, wo nicht, wo Ich die Familien kenne Und das schafft natürlich Vertrauen.
00:21:28: Deswegen glaube ich wenn man so ein Projekt isoliert machen würde dann wüsste ich nicht wie erfolgreich Das wäre.
00:21:35: ehrlich gesagt
00:21:36: Ja, denn so konntet ihr natürlich auch das Vertrauen der Jungs gewinnen.
00:21:40: Auch mal was Neues auszuprobieren weil sie kannten euch und sie wussten euch kann man vertrauen.
00:21:46: Und dann kann man ja vielleicht auch Mal sich mit dem Thema Kochen beschäftigen oder mit dem thema kunst wie es ja auch im talent Campus war.
00:21:53: Ich wollte noch hinzufügen mich hat das jetzt gar nicht So überrascht dass die sich für das thema essen und kochen interessiert haben weil Im zusammenhang mit so sport halb und fitness halb.
00:22:02: umso höre ich doch schon sehr viele gespräche über Proteine und weiß ich nicht was.
00:22:08: Ernährung ist ja schon ein Thema für das sich viele junge Menschen auch begeistern können, aber dass selber in die Hand zu nehmen, sich selber etwas zubereiten, ist natürlich noch mal was anderes als einfach nur was zu kaufen oder was jemand anders gekocht hat zu essen.
00:22:22: Ja voll, also ich würde sagen dass sie sich schon auch für Essen interessieren und auf Social Media viel Food Content schauen.
00:22:30: Das garantiert aber wie du gesagt hast dich selber hinzusetzen und zu sagen okay ich bereite mir jetzt irgendwas vor.
00:22:38: Ich würde sagen das startet gerade.
00:22:39: wenn ich an die Jugendlichen denke mit denen wir viel arbeiten.
00:22:43: dann ja passiert das nicht in dem Alter sondern erst viel später wenn Sie wirklich lernen selbstständiger zu sein, das verschiebt sich ja auch.
00:22:56: Ja aber in dem Talent Campus Projekt über das wir uns unterhalten wollen ging es ja gar nicht voll nämlich um Kochen sondern um Kunst oder um Kreativität.
00:23:05: und da gibt es einen besonderen Kniff den ihr angewendet habt um diese Zielgruppe zu erreichen.
00:23:10: Erzähl doch mal wie habt ihr die Jungs gekriegt?
00:23:13: Also erstmal haben wir das Projekt Fußball Art Night Edition genannt.
00:23:17: Ich glaube einige Jugendliche haben dann nicht so genau zugehört und einfach Fußball.
00:23:26: Und das passt dann schon, genau!
00:23:29: Das war ein Kniff und der andere Kniff war dass wir am letzten Tag des Projekts das Borussia Dortmund den Stadion besucht haben mit dem Westfalenstadion oder wie man heute sagt Signal Iduna Park.
00:23:46: Und das war natürlich, gerade für die Jungs mit denen wir gearbeitet haben.
00:23:50: Das Highlight.
00:23:51: und ich würde sogar behaupten, dass hat den einen oder anderen sogar gehalten und dazu motiviert bis zum Ende durchzuziehen weil ich hätte mir auch gut vorstellen können, dass der ein oder andere dann so mittendrin gesagt hätte Ich bin krank oder ich kann nicht mehr kommen Aber ich habe dann schon klar kommuniziert So wer mit nach Dortmund will, der zieht das hier mit uns durch.
00:24:16: Und ja, das war wie gesagt auch wenn es cool war mit dem Kochen und der Kunst quasi.
00:24:22: Das war für die Jungs unbestreitbar das Highlight.
00:24:27: Ja da habt ihr das so ein bisschen von hinten durch die Brust auch noch mitgegeben mit den anderen Themen.
00:24:33: Ja erzähl doch mal was wurde denn gemacht vielleicht?
00:24:35: Also du hast jetzt schon verraten wie die Woche geendet hat mit diesem Highlight in dem Stadionbesuch.
00:24:40: aber wie seid ihr dann eingestiegen in die Woche?
00:24:44: Also eingestiegen sind wir in die Woche damit, dass wir den Jugendlichen erst mal erklären mussten nochmal und verdeutliche mussten.
00:24:52: Dass das zwar ein Ferienprojekt ist aber dass wir erwarten ja dass man pünktlich ist muss man.
00:25:01: gerade in den Ferien muss man das glaube ich immer bei einigen wenigen betonen genau Wir haben wir sind damit eingestiegene dass wir ganz transparente erklärt haben was so der Plan für die ganze woche ist Und dann eigentlich step by step für die einzelnen Tage auch immer und eben auch an diesem Montag quasi erklärt haben, was ansteht, was der Plan ist.
00:25:23: Man muss dazu sagen wir haben uns aber auch sehr viel an den Jugendlichen selbst orientiert.
00:25:28: also Wir haben zwar gesagt okay am Montag haben wir Leinwände und wir wollen so damit starten einfach ein paar Basics lernen werden eine Kunstpädagogin bzw eine Kunstgeschichtexpertin dabei in dem Projekt Und da ging es darum, einfach mal die Basics irgendwie herauszufinden.
00:25:46: Wir haben dann versucht okay was wissen Sie überhaupt über Kunst?
00:25:49: Was stellen sie sich darunter vor wenn wir denen sagen okay im Talent Campus Projekt geht das eben auch um Kunst.
00:25:54: und ja also ich muss ehrlich sagen dass am Anfang gab es schon etwas so kritische Blicke so von wegen auch eh so das hört vielleicht ein bisschen an wie Schule.
00:26:05: ok hier haben jetzt Kunstunterricht.
00:26:07: oder was machen wir jetzt?
00:26:09: Aber das ist dann hat sich auch relativ schnell erledigt, weil sie sich eben in diesem Raum sehr schnell einfach darauf eingelassen haben und gesagt haben okay, das kriegen wir irgendwie schon hin.
00:26:20: Und was machen wir?
00:26:21: Und da kommt der Punkt Lebensfeldbezug wieder dazu.
00:26:26: Wir haben nicht gesagt malte uns jetzt bitte ein Blumenstrauß sondern wir haben den Jungs gesagt mein Lieblingsverein ist auch Borussia Dortmund Und wir haben dann über Lieblingsfußballvereine gesprochen.
00:26:42: Dann ging es darum, das Wappen zu malen oder die Trikots zu malern und da in diesem Rahmen haben wir immer die Option gegeben okay was möchtet ihr lieber machen?
00:26:51: Ich glaube dass ist sehr wichtig gerade wenn man mit jungen Menschen in dem Alter zusammenarbeitet.
00:26:57: Ja total so ein partizipativer Ansatz.
00:27:00: Aber ich meine wo du jetzt gerade Blumenstrasse gesagt hast... Ich meine mich zu erinnern, dass dort auch für den Muttertag Vorbereitungen getroffen wurden oder?
00:27:09: Das haben wir nicht am ersten Tag gemacht.
00:27:11: Wir mussten ja die ganze Zeit über sehr strategisch vorgehen.
00:27:17: Ja ich weiß gar nicht wann genau Muttertag war aber wir haben den Jugendlichen gesagt das der Muttertag eben ansteht und weil wir hier Postkarten haben genug Farbe haben und genug Pinsel haben Ist das eben die perfekte Gelegenheit?
00:27:35: Wir haben dann auch gefragt, okay so.
00:27:36: Wir haben da auch über die Rolle der Mutter eben auch gesprochen und was sie über ihre Mütter denken und wie deren Alltag ist.
00:27:44: Also wir haben also zwar nicht nur so dass wir den Jugendlichen eine Aufgabe gegeben haben und gesagt macht das jetzt mal sondern wir waren das ganze Projekt über dadurch dass das eben Jugendliche sind mit dem wir in anderen Bereichen zusammenarbeiten.
00:27:59: ist es nicht so dass einzelne Kanten sich zwar nicht einzelne Teilnehmende, aber das haben wir dann durch Kenlernspiele und so sind die auch schnell warm miteinander geworden.
00:28:09: Aber was viel wichtiger gewesen ist war dass wir ständig mit den Jugendlichen gesprochen haben und nicht einfach nur gesagt haben macht jetzt bitte eine Postkarte für eure Mamas sondern wie schätzt ihr ein?
00:28:23: Okay meint ihr eure Mama hat ... ein härteren Job zu Hause, wenn sie Hausfrau ist als euer Papa?
00:28:29: oder meint ihr ich schaff das auch mal den Haushalt zu schmeißen wie eure Mütter.
00:28:33: Und darüber also wir sind erst so über Gespräche und die inhaltliche Ebene dann dazu kommen okay?
00:28:39: So dann wünsche mir uns jetzt von euch dass wir Postkarten für eure Mamas machen und schreibt in kurzen Texts ein Gedicht was auch immer seid kreativ und malt eine Kleinigkeit auf die Postkarte dass das eure Mamas eben schon lange verdient haben.
00:28:55: Und
00:28:56: haben Sie das gemacht?
00:28:57: Haben sie sich Mühe gegeben?
00:28:58: Das haben alle gemacht, ja also durchweg alle Teilnehmenden erledigt.
00:29:04: und wie haben sie sich über ihre Mütter geäußert?
00:29:08: Ja, das denkt man vielleicht nicht aber so war es schon sehr bewusst.
00:29:17: Das ist gerade für die Mütter nicht so einfach.
00:29:20: Weil viele auch gesagt haben, wenn es um die Schule geht oder mein Alter geht, ist das die Mutter, die unterstützt und die hilft und guckt und fragt, hast du die Hausaufgaben gemacht?
00:29:32: Und das führt dann natürlich zu Konflikten.
00:29:35: Die sagen ja, meine Mutter nervt mich immer und sagt ich muss das machen oder ich darf das und das nicht.
00:29:40: Aber was mich überrascht hat war dass sie schon ... Definitiv auch ein großes Bewusstsein dafür hatten.
00:29:49: Gerade wenn man so Kehrarbeit leistet, nicht alle Mütter der Teilnehmenden in dem Projekt sind Hausfrauen gewesen aber ein großer Teil und die hatten schon einen Bewusstsein dafür wie hart Kehrarbeit ist und wie hart es ist quasi Kinder aufzuziehen den Haushalt zu schmeißen für die Familien zu kochen.
00:30:09: Und gerade als wir selbst gekocht haben ist das auch vielen deutlich geworden Wie anstrengend das sein kann.
00:30:17: Ja, ja schön dass da so viel Gelegenheit war solche Dinge zu reflektieren.
00:30:20: toll.
00:30:22: und aber jetzt nochmal zum künstlerischen.
00:30:25: also es wurden Trikots designt Es wurden diese Muttertags Karten kreiert Und ich glaube es gab noch Graffiti Gelegenheiten oder?
00:30:34: Genau, Graffiti beziehungsweise so animäst die also aus dem Kinder-Fernsehbereich.
00:30:42: So Kinderfilme aus ihrer eigenen Kindheit bzw Jugend oder Animäste sie verfolgen.
00:30:47: das war ganz unterschiedlich.
00:30:49: es gab diejenigen die große Anime Fans waren.
00:30:51: die haben dann Anime Figuren quasi gemalt und gezeichnet.
00:30:55: einige haben irgendwie Spongebob Sponsgebob um Patrick gemalt Genau, also wir haben da den Teilnehmerinnen auch einfach diesen kreativen Rahmen gegeben zu sagen.
00:31:06: Okay so was würdet ihr gerne machen?
00:31:09: Ja und dann haben sie sich von den popkulturellen Fernsehserien usw.
00:31:14: inspirieren lassen die sie ebenso immer konsumieren.
00:31:19: Was würdest du sagen?
00:31:21: Was können solche kulturellen Bildungsangebote wie jetzt zum Beispiel der Talent Campus leisten das Schule alleine und vielleicht Kunstunterricht oder so nicht schafft?
00:31:31: Wenn du jetzt so an dieses Projekt denkst, was konnten die Jungs da mitnehmen?
00:31:35: Wo sie vorher vielleicht noch nicht so einen Raum für hatten oder noch nicht viel Gelegenheit hatten das und das auszuprobieren oder zu besprechen.
00:31:43: Jetzt speziell bei unserem Projekt ist natürlich einmal Großleitung sind haben auch als Vorbild Personen fungiert und unsere Ehrenamtlichen ohne die das Kochen überhaupt nicht funktioniert hätte ehrlich gesagt und jungen Menschen, also den Kursleitenden die selber Migrationserfahrungen haben oder Migrationsgeschichte haben und einfach ein paar Jahre älter sind.
00:32:12: Und da ins Gespräch zu kommen über unschiedliche Themen ob das jetzt das Kochen war, ob das Kunst war... Das waren oft auch Gesprächsöffner zu ganz anderen Themen und ich glaube das ist eine Gelegenheit die Schule so gar nicht bieten kann.
00:32:30: Aber das Kochen und die Kunst an sich stellt es mich schwieriger vor, dass die Kinder und Jugendlichen so in der Schule im Kunstunterricht langfristig was mitnehmen.
00:32:40: Wenn ich selber meine eigene Kunst- Unterrichtsgeschichte denke... Kunstunterrecht weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr, was ich so gemacht habe!
00:32:51: Und also ich möchte jetzt keine Kunstlehrerinnen verärgern
00:32:58: Aber da gibt's ein Curriculum und da kann man eben wahrscheinlich nicht so frei sagen, hier macht was ihr wollt dreht einen Film über das worauf ihr Lust habt oder schreibt ein Rap Song über euer Thema.
00:33:09: Das meinst du wahrscheinlich eher ne?
00:33:10: Dass es so bisschen vorgegeben in der Schule ist
00:33:13: Und auch einfach im Rahmen.
00:33:14: also ich hab da einfach dieses Bild vor Auge dass die Jugendlichen an einem großen Langtisch Es war ziemlich warm und waren nicht im Raum sondern außerhalb des Kennenlernlands, das ist quasi im Zentrum von dem Stadtteil Waldau.
00:33:31: Und diese Jugendlichen saßen da an den großen Tisch und Menschen die in Waldau wohnt gehen Rebe einkaufen Das ist direkt in diesem Zentrum vom Stadtteil und dann sitzen da fünfzehn Jungs an so einem langen Tisch und man sieht überall große Pinsel- und Leinwände Und die Malen von Sponsgebob bis Fußball Trikots alles mögliche.
00:33:57: und da sind Leute stehen geblieben und haben sich das angeschaut.
00:34:00: Es ist ja es war einfach ein außergewöhnlicher Anblick, dass so zu sehen so mitten im Zentrum und dass da Jungs sitzen und irgendwie mal.
00:34:10: Das haben die Jungs selbst auch mitgenommen und wahrgenommen, dass das irgendwie cool ist was sie gerade machen.
00:34:18: Ich glaube es ist anders.
00:34:19: und deswegen um zu dem Vergleich zur Schule zu kommen oder warum kulturelle Bildung in diesem Rahmen so wichtig ist, wie ich schon angesprochen habe... wir diese Beziehungsarbeit schon geleistet haben und diesen Raum bieten konnten, wo es eben dieses Vertrauen gab.
00:34:37: Dass sie sich auch auf neue Dinge einlassen konnten die sie sonst vielleicht nicht machen würden oder nicht mit dieser Energie und nicht mit der Passion quasi.
00:34:47: Und ich glaube das ist so der größte Unterschied zur Schule dass das wirklich einen Rahmen hatte wo die Jungs waren okay so Ich habe jetzt Bock das um das zu machen oder zu malen Passt.
00:34:59: Das gab es auch, dass die Jungs angefangen haben irgendwas zu malen und dann haben sie gesehen okay nein was habe ich da von der Scheiße auf gut Deutsch gemalt?
00:35:07: Und dann haben Sie das abgebrochen!
00:35:08: Und zwar... Es war kein Ding.
00:35:10: Die sagen ja alles gut, kein Problem.
00:35:11: Dann kannst du neu starten.
00:35:13: Das gehört alles zum künstlerischen Prozess dazu.
00:35:15: Auch das scheitern und das Neu anfangen ist auch eine wichtige Erfahrung.
00:35:20: Ich glaube dafür gibt es in anderen Kontexten wie vielleicht nicht diesen Freiraum, wie es ihn bei uns gab
00:35:28: Und eben dieser Raum mal was Neues auszuprobieren und aus der Komfortzone rauszukommen, sich mit anderen Themen zu befassen.
00:35:35: Mit anderen Leuten zusammen zu sein sowohl die Kursleitung als auch neue Freundschaften oder Bekanntschaften mit den anderen zu knüpfen das ist ja auch alles Bestandteil dieser Erfahrung.
00:35:47: Ich kann mich aber auch erinnern diese Situation an dem großen Tisch draußen.
00:35:50: da habt irgendwie eine Frau die angesprochen und gesagt hey so nach dem Motto ihr seid doch Jungs warum malt ihr denn hier?
00:35:58: Stimmt, ja.
00:35:58: Das war die Frau, die im Späte nebenan arbeitet genau und dir hat gesehen wie die Jungs da gemalt haben und diesen Kommentar abgegeben.
00:36:08: Aber es waren nicht nur diese Frauen sondern wenn ich an das Projekt denke zurückdenke denke ich vor allem An diesem Moment.
00:36:16: also dass so das Bild was mir am meisten im Kopf hängen geblieben ist und dass eben diese Jungs mitten im Stadtteil im Zentrum quasi an so einem langen Tisch sitzen und malen.
00:36:27: Und es war nicht nur die Frau, die einen Kommentar abgegeben hat sondern auch die Blicke der Menschen, die irgendwie vorbeigegangen sind und für die es außergewöhnlich war.
00:36:37: Das spielt das natürlich auch mit dass das Jungs sind, die auch nicht so aussehen als würden jetzt einfach gesagt um das nichts zu reproduzieren, die da sitzen künstlerisch irgendwie tätig sind.
00:36:50: Und ich glaube gerade das ist wieder und da kommen wir wieder bei dem zu dem Thema zurück, dass auch Menschen in dem Stadtteil wo sie aufwachsen oder wo sie herkommen ein ganz anderes Bild von diesen jungen Menschen haben und ihnen gar nicht zutrauen, dass das irgendwie Jungs sind die da beim Ferienprojekt mitmachen.
00:37:07: und wir hatten ja wirklich und das ist so besonders ungewöhnlich siebzehn- und sechzehnjährige dabei, die sich darauf eingelassen haben.
00:37:13: Das passt immer noch für viele Menschen nicht ins Bild, dass gerade junge, migrantisch gelesene Menschen da sitzen und irgendwie friedlich malen.
00:37:23: Und ich glaube das sind vor allem die Blicke, die mir so im Kopf hängen geblieben
00:37:27: sind.".
00:37:28: Ja, das ist wirklich die Königsdisziplin, ältere männliche Jugendliche bekommen in Talent-Campusprojekten?
00:37:35: Das hat schon Respekt verdient!
00:37:38: Aber ich habe vorhin gar nicht erwähnt, dass wir uns ja auch schon einmal über dieses Thema unterhalten haben letztes Jahr beim digitalen Fachaustausch, den wir angeboten haben.
00:37:46: Und von dem Gespräch habe ich nämlich noch am meisten Erinnerungen, dass du erzählt hast.
00:37:50: Die Jungs saßen da haben gemalt und dann kam eben diese Frau also die Frau aus dem Späti und hat gesagt ja als Jungs malt hier und dann hat einer der Jungs geantwortet.
00:38:00: und das ist jetzt das was mir eben so stark in Erinnerung geblieben ist und was bei mir Eindruck gemacht hat.
00:38:05: Einer von denen hat gesagt sowas ähnliches.
00:38:07: wie dürfen wir das jetzt auch nicht machen?
00:38:12: Ja, das hat mich irgendwie ein bisschen berührt.
00:38:13: Das doch Jugendliche glaube die werden in unserer Gesellschaft schon und dann auch noch migrantische männliche Jugendliche werden schon häufig dann auch wenn sie in der Öffentlichkeit gesehen werden ja misstrauisch beäugt.
00:38:28: oder man denkt an die stellen jetzt irgendwas an Und wenn die dann so eine Tätigkeit machen malen das passt dann gar nicht wie du ja auch gesagt hast dass Sie sich dann auch nach irgendwie fühlten als müssten Sie sich rechtfertigen Und das aber auch reflektiert haben mit euch zusammen.
00:38:44: Wie sie gesehen werden, wie Sie sich selber sehen was die für ein Junge oder einen Mann sein wollen.
00:38:50: und ich glaube dass kann nur gelingen wenn gerade Kursleitung Auch diese Erfahrung Mitbringen.
00:38:58: und also das kann natürlich auch gelingen Wenn man geschult ist und weiß wie man das angeht.
00:39:04: Aber es schafft einfach ein anderes Vertrauen gerade bei jungen Menschen Wenn man auch eigene Geschichten teilt, wenn auch ich als quasi Projektleiter des Talentkampusprojekts mitteilen kann.
00:39:19: Ich weiß wie ihr euch fühlt weil ich es selbst erlebt habe.
00:39:22: also ich hab gerade von dem großen Tisch am Rewe erzählt und ich kann mich selber an einen Moment erinnern.
00:39:29: da war ich ungefähr in dem selben Alter, sechszehnt, siebzehn und war genau in diesem Rewe einkaufen.
00:39:37: freundlich angeschaut erst mal und gesehen, dass sie viel weniger einzukaufen hatte als ich.
00:39:42: Ich hab ihr dann freundliche angeboten Sie können ruhig vorgehen.
00:39:46: Und sie hat mir geantwortet dich behalt ich lieber im Blick.
00:39:52: Das ist etwas was ich in dem Moment gar nicht realisiert habe, gar nicht verstanden habe.
00:39:57: Ich war so komplett irritiert.
00:39:59: Okay, sie will anscheinend nicht ... Und das ist erst später, kommt dann so die Realisation und es versteht so warum wollte sie mich im Blick behalten?
00:40:10: Und so ah okay, sie hat das von mir gedacht.
00:40:13: Wenn man gerade solche Geschichten auch mit Jugendlichen teilt und sagt ok ich weiß wie ihr gesehen werdet Ich wurde auch oder werde immer noch so gesehen und so wahrgenommen und trotzdem entscheide ich mich dafür ja besser als dass zu sein.
00:40:31: Danke schön, dass du die Geschichte auch mit uns geteilt hast.
00:40:37: Ja... Man muss nicht schön reden gerade!
00:40:40: Ich glaube es sind gerade diese Erinnerungen oder Erfahrungen und das habe ich jetzt durch meine Arbeit querbeet erlebt, die grade junge Menschen schätzen weil sie das viel zu selten erleben, dass dann quasi ältere Menschen Mit demselben Background oder mit einem ähnlichen Background sagen, ich hatte auch die und die Erfahrung.
00:41:07: Ich habe auch das und das erlebt.
00:41:08: Und es hat mich auf diese Art geprägt und ... Das sind Momente, die auch verbinden.
00:41:15: Und ich glaube, dass schafft erst dieses Vertrauen um auch offen und ehrlich so was abzuarbeiten gerade als junger Mensch.
00:41:26: Ja total!
00:41:27: Die Volkshochschule Kasse und das Bündnis drum herum Fühlt ja auch oft das PIR-Konzept durch.
00:41:32: Das heißt, es gibt in vielen Talentkampusprojekten jugendliche Ehrenamtliche – das sind ja häufig ehemalige Teilnehmerinnen die die Projekte mit unterstützen so als rechte Hand der Kursleitung oder in einer Einzelbetreuung auch unterstützen oder kleinere Einheiten im Kurs übernehmen.
00:41:50: und das geht in die gleiche Richtung wie das was du gerade gesagt hast dass authentische junge Menschen aus dem gleichen Stadtteil oder den gleichen sozialen Gefüge mit dabei sind und den Kindern und Jugendlichen das Gefühl geben, du gehörst hierher.
00:42:04: Wir verstehen
00:42:05: dich.".
00:42:05: Und
00:42:06: hier kannst du sozusagen den Weg auch weitergehen und dich hier weiter in einem geschützten Raum ausprobieren?
00:42:12: Ja!
00:42:12: Dann machen wir mal weiter mit dem Peer-Konzept würde ich sagen und auch die Kursleitung und alle anderen, die im Projekt eingebunden werden.
00:42:19: Es kommt auch manchmal vor dass welche von außerhalb... Nicht eingeflogen werden, aber von ein bisschen weiter her anreisen.
00:42:26: Aber es ist auch schön wenn die Menschen, die im Talentkampus-Projekt tätig sind... ...wenn sie den Sozialraum kennen.
00:42:31: und ja.
00:42:35: Also ich habe das noch gar nicht erwähnt.
00:42:39: Es ist jetzt nicht unbedingt Talentcampus, aber ich bin selbst ein Kind des Kinderhauses in Waldau gewesen und das ist quasi auch ein Ort.
00:42:49: Es war so was wie ein Jugendzentrum, aber eher für Kinder bis zu vierzehn Jahre.
00:42:55: Also in allen Ferien wurden Ferienprojekte quasi organisiert und ich bin ein Kind dieses Kinderhauses weil ich in allen ferien ja beim Kinderhaus Waldau war um bei den Ferien projekten mitgemacht habe Und alles Was ich so cooles gemacht hab.
00:43:14: als kind habe Ich im Kinderhaus waldau gemacht und gelernt ob das jetzt Bowling war, ob das jetzt irgendwie Schlittschuh laufen in der Eichbordhalle.
00:43:24: Und es sind auch für mich persönlich einfach Erinnerungen und Erfahrungen die ich nicht vergessen werde.
00:43:31: also der ehemalige Betreuer in diesem Kinderhaus ist mittlerweile der Leiter dieses dieser Kinder-Tagesstätte.
00:43:38: und wann immer wir uns auch im beruflichen Kontexten sehen Wir sprechen immer wieder über diese alte Zeit und darüber, wie wir auch Fußball gespielt haben draußen.
00:43:49: Und er hat gesagt nach uns sind nie wieder junge Menschen gekommen die so viel Fußball gespät haben beim Kinderhaus Waldau wie wir.
00:43:58: Das sind einfach Erinnerungen Erfahrungen, die mir auch persönlich soviel mitgegeben haben und warum ich so gerne auch zu Talent Campus Projekte mit organisieren und mit durchführen weil das ist einfach eine Zeit gewesen, die mich persönlich auch sehr geprägt habe.
00:44:14: Deswegen schätze ich eure Arbeit sehr.
00:44:19: Ja, danke gleichfalls!
00:44:20: Das geht ja Hand in Hand.
00:44:22: Ich habe auch gerade gedacht... ich weiß nicht wie das finanziert wurde was du damals da unternommen hast aber sicherlich gab es da auch Fördermittel aus irgendeinem Fördertopf die euch das ermöglicht haben und wo die Familien sich vielleicht außerschulische Bildungs- und Freizeitangebote nicht so gut leisten konnten.
00:44:38: Insofern Es ist leider nach wie vor immer noch so, dass wir in unserer Gesellschaft darauf angewiesen sind das öffentliche Fördermittel für sowas zur Verfügung gestellt werden um die Bildungsungerechtigkeit zu verringern und den Zugang zu kultureller Teilhabe zu verbessern.
00:44:54: Für Kinder und Jugendliche Jungs wie Mädchen natürlich!
00:44:59: Ja also ein Jahr anderthalb Jahre haben wir noch die Mittel.
00:45:03: Wir hoffen, dass ihr noch weiter und auch nächstes Jahr noch Talent Campus Projekte umsetzt vielleicht ja auch darüber hinaus.
00:45:10: mal gucken, wie es weitergeht mit Kultur macht stark.
00:45:12: Das ist im Moment noch nicht so ganz klar.
00:45:14: aber dann danke für die vielen Einblicke in deine Arbeit und auch ein bisschen in dein persönliches Leben.
00:45:22: Möchtest du vielleicht einen Fazit ziehen was deiner Arbeit angeht?
00:45:25: Und die Talentkampusprojekte und andere außerschulische Bildungsangebote in Kassel und bei Wissen am Stern
00:45:32: Ja also das besonders Projekte wie wir sie gemacht haben als quasi reines jungen Projekt, dass wir damit einfach eine Zielgruppe erreicht haben die sonst eher schwierig erreicht wird würde ich jetzt mal so sagen und das es so wichtig ist weil wir jungen Menschen zeigen was es eigentlich bedeutet oder versucht haben zu zeigen und vorzuleben was eigentlich bedeutet männlich zu sein.
00:46:00: Was überhaupt bedeutet quasi ein junger Mann zu werden viel mehr ist als das, was auf dem Schulhof oder auf den Pausenhof so zählt.
00:46:12: Und deswegen braucht es glaube ich solche Projekte und deswegen braucht vor allem Menschen die diesen Jugendlichen vorleben und vormachen.
00:46:22: Deswegen finde ich unsere gemeinsame Arbeit so wichtig und hoffe dass sie auch länger als eineinhalb Jahre weiter gefördert wird.
00:46:33: Das hoffe ich auch, dann ganz herzlichen Dank für deine Zeit und für dieses tolle Gespräch.
00:46:40: Bis zum nächsten
00:46:42: Mal!
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